In einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft begegnen Beraterinnen und Therapeutinnen Menschen mit sehr unterschiedlichen kulturellen Prägungen, Lebensgeschichten und Erfahrungen von Zugehörigkeit – oder auch von Ausgeschlossensein. Migration, Flucht, Mehrsprachigkeit sowie unterschiedliche Familien— und Wertevorstellungen prägen viele Biografien und zeigen sich auch im Beratungs— und Therapiekontext.
Dabei spielen häufig Themen wie Scham, Loyalitätskonflikte, Identitätsfragen oder traumatische Erfahrungen eine Rolle. Gefühle, Konflikte und Belastungen werden nicht in allen kulturellen Kontexten gleich ausgedrückt oder verstanden. Was für eine Person selbstverständlich erscheint, kann für eine andere mit tiefen kulturellen Bedeutungen, Erwartungen oder Tabus verbunden sein.
Dieses Seminar bietet eine praxisnahe Einführung in die interkulturelle Beratung und Therapie. Neben theoretischen Grundlagen steht vor allem die Reflexion der eigenen Haltung im Mittelpunkt:
Wie können Beraterinnen und Therapeutinnen kulturelle Unterschiede wahrnehmen, ohne Menschen auf kulturelle Zuschreibungen zu reduzieren? Wie gelingt eine Haltung von Offenheit, Respekt und professioneller Neugier gegenüber dem Fremden?
Wie lassen sich in der Praxis Spannungsfelder zwischen kollektivistischen und individualistischen Weltanschauungen sowie zwischen scham— und ehrebasierten und stärker schuld— oder gewissensorientierten moralischen Systemen sensibel navigieren?
In Übungen, Dyaden— und Triadenarbeit reflektieren die Teilnehmenden ihre eigene Positionierung und entwickeln konkrete Handlungsmöglichkeiten für eine kultursensible Beratungspraxis. Impulse aus dem IKP-Konzept sowie körperorientierte Übungen verbinden Theorie, Selbsterfahrung und praktische Anwendung.
Lernziele:
Die Teilnehmenden:
— reflektieren ihre eigene kulturelle Prägung und deren Einfluss auf Beratungsprozesse,
— entwickeln ein vertieftes Verständnis für Scham, Trauma und Identitätsfragen im interkulturellen Kontext,
— erweitern ihre Sensibilität für kulturell geprägte Ausdrucksformen von Emotionen und Konflikten,
— lernen, kultursensible Beratungshaltungen einzunehmen, ohne zu kulturalisieren oder zu stereotypisieren,
— gewinnen konkrete Impulse und Handlungsmöglichkeiten für die Beratung und Therapie von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.
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